Technology Review über manipulierte Sportlergene
Genanalyse soll Doping entlarven

Hannover, 1. März 2010 - Weltklasseathleten dank
findiger Manipulation des Erbguts: Ob auch in Vancouver
Höchstleistungen durch Gendoping erbracht wurden, ist
bislang nicht nachweisbar. Die Welt-Anti-Doping-Agentur
WADA arbeitet jedoch an einem Universaltest, der mithilfe
der Genanalyse jeglichen unerlaubten Leistungsverstärkern
auf die Spur kommt. Das schreibt das Magazin Technology
Review in der März-Ausgabe.
"London 2012, das ist unser ehrgeiziges Ziel", sagt
Theodore Friedmann, Gentechnikexperte der WADA. Dann soll
das olympische Labor über eine Reihe standardisierter
Verfahren verfügen, die Athleten mit getunten Genen
anhand von Blutproben entlarvt. Dabei geht es nicht
nur um einzelne Tests gegen konkrete DNA-Präparate.
Das große Ziel ist, jeglichen Eingriff ins Sportler-Erbgut
überführen zu können.
Eines der neuen Verfahren, die Manipulationen am Erbgut
nachweisen sollen, stammt aus dem DNA-Labor von Perikles
Simon. Der Tübinger Sportmediziner hat eine molekularbiologische
Nagelprobe entwickelt, mit der sich im Labor gebaute Gene
von natürlichen unterscheiden lassen: Während der DNA-Code
eines körpereigenen Gens Einschübe enthält, die für den Bau
des zugehörigen Proteins nicht wichtig sind, sind künstliche
Gene frei von solchen Unterbrechungen. Hier dient jeder einzelne
DNA-Baustein unverzichtbar der Produktion des kodierten Proteins.
Die Methode, natürliche Gene von ihren künstlichen Kopien zu
unterscheiden, ist so empfindlich, dass sie manipulierte DNA
schon aus wenigen Zellen des Sportlers nachweisen kann.
"Wir suchen etwa bei der DNA von Blutplättchen nach Veränderungen,
die uns eindeutig verraten, dass ein Athlet gedopt hat - unabhängig
davon, wie er das gemacht hat", sagt Jim Rupert von der Universität
von British Columbia im kanadischen Vancouver. Diese Informationen
will der Wissenschaftler in den sogenannten Genaktivitätsmustern
der Sportler finden: So wie etwa das Myostatin-Gen nicht nur für
sich arbeitet, sondern mit anderen Genen in dem fein abgestimmten
Orchester für Muskelwachstum und Muskelkraft spielt, so werden
auch andere athletisch relevante Eigenschaften wie Ausdauer,
Schnellkraft und Regenerationsvermögen mit exakten Partituren
gesteuert. Indem Rupert ihre Akkorde aufzeichnet und ermittelt,
welche Gene zu welchem Zeitpunkt einstimmen oder verstummen und
wie häufig ihre Noten abgelesen werden, will der Sportmediziner
unterscheiden lernen, ob jemand von Natur aus ein außergewöhnliches
sportliches Talent besitzt oder ob Gene über ein natürliches Maß
hinaus aktiv sind.
Bildmaterial:
Das Titelbild der aktuellen Technology-Review-Ausgabe 03/2010
steht zum Download bereit.
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