Presse-Informationen
c't

  1. Heise Gruppe
  2. Presse-Informationen
  3. c't

Content-Prüfer für YouTube
Digitale Drecksarbeit zum Dumpinglohn

Hannover, 26. November 2019 – Videos von Hinrichtungen, Hetze und Missbrauch: Content-Moderatoren für YouTube müssen Verstörendes ertragen. In Ausgabe 25/19 deckt Europas größtes IT- und Tech-Magazin c’t auf, dass die Mitarbeiter der IT-Dienstleister schlecht bezahlt werden und sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangeln.

Content-Moderatoren für Googles Videoplattform YouTube sind traumatisierenden Bildern ausgesetzt. „Sie sperren Videos, die Volksverhetzung, Tierquälerei oder Enthauptungen zeigen, damit möglichst wenige andere Menschen sie zu Gesicht bekommen", erzählt c’t-Redakteur Christian Wölbert. Er sprach mit drei Mitarbeitern des IT-Dienstleisters Cognizant aus Hamburg über die problematischen Aspekte ihres Jobs. Sie berichten von strengen Leistungskontrollen, niedrigen Gehältern, befristeten Verträgen und unklaren Zukunftsaussichten.

Die Arbeit der Content-Prüfer am Cognizant-Standort Hamburg ist psychisch belastend – und obendrein juristisch anspruchsvoll: Sie müssen in jedem Einzelfall zwischen der Meinungsfreiheit und Straftatbeständen abwägen. Das Einstiegsgehalt liegt laut den drei befragten Mitarbeitern jedochnurbei rund 28.000 Euro brutto jährlich. Außerdem habe Cognizant nur Jahresverträge vergeben. „Aus Sicht der Mitarbeiter sind das keine fairen Arbeitsbedingungen“, betont Wölbert.

Laut den Aussagen trifft jeder Prüfer pro Tag 100 bis 150 Entscheidungen über die Sperrung von Inhalten. Die Gesamtzahl und die Fehlerquote würden automatisch per Software erfasst, wobei in erster Linie die Fehlerquote ausschlaggebend für Aufstiegsmöglichkeiten im Unternehmen sei.

Die drei Mitarbeiter berichteten auch von positiven Aspekten: Wer von einem Video traumatisiert sei, könne sich jederzeit in einen Ruheraum setzen oder nach Hause gehen. Die Prüfer könnten auch kurzfristig mit Psychologen eines Hamburger Instituts sprechen. Aus Sicht der befragten Mitarbeiter wäre allerdings auch ein sicherer Arbeitsplatz wichtig, um die belastenden Inhalte besser verarbeiten zu können. Sie fordern, dass Google selbst mehr Content-Prüfer einstellen sollte, statt die Arbeit an Dienstleister wie Cognizant auszulagern.


Für die Redaktionen: Gerne stellen wir Ihnen den Artikel kostenlos zur Rezension zur Verfügung.